Projektkonzept

  • Welchem sozialen Problem widmen wir uns mit unserem Projekt?

    Wenn eine Familie in Deutschland ein Kind mit Behinderungen erwartet, bekommt oder die Behinderung sichtbar wird, steht für diese Familie einschl. aller Familienmitglieder die Welt Kopf. Sorgen um die Gesundheit, die Pflege und manchmal auch um das Leben des Kindes werden auch durch oftmals finanzielle Sorgen verstärkt, da der Arbeitsmarkt für Mütter mit behinderten Kindern oft unerreichbar ist. Zum emotional belasteten Familienalltag kommt die Auseinandersetzung mit dem Thema Behinderung, an der Paare oftmals scheitern und die Mutter mit dem behinderten Kind alleine bleibt. Oft folgt eine zunehmende Isolation der Familie, weil es an beratenden und vernetzenden Strukturen für Familien mit beeinträchtigten Kindern im Alter von 0-3/6 Jahren fehlt. Diese gesellschaftliche Isolation wollen wir auflösen, Familien mit beeinträchtigten Kindern wieder sichtbar machen und Starthilfe geben.

  • Was war unsere Motivation, sich diesem sozialen Problem zu widmen?

    Wir sind vier Gründerinnen, drei von uns haben selber ein jeweils sehr unterschiedlich beeinträchtigtes Kind.
    Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn mit einer Diagnose die Welt auf den Kopf gestellt wird.
    Und auch, wie schwierig es ist, Antworten auf die vielen Fragen zu bekommen, die plötzlich neben allen Ängsten und Sorgen im Raum stehen.
    Wir wissen, wie es ist, wenn man gefühlt nur noch googelt, damit für das eigene Kind passende Ärzte, Therapeuten und Therapien gefunden werden.
    Und wir wissen, wie schwierig es gerade zu Beginn ist, auf Menschen zu treffen, die die eigene Situation kennen und mit denen Sorgen geteilt werden können.
    Wir möchten anderen Familien Mut machen und helfen, diese besondere Situation zu meistern.
  • Welches übergeordnete Ziel, welche Vision verfolgen wir mit unserem Projekt?

    Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Familien mit behinderten Kindern sichtbar sind. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Familien nicht mehr ohnmächtig vor der Situation stehen, sondern eine eigene Handlungskompetenz entwickeln und durch den Austausch mit anderen betroffenen Familien Mut und Zuversicht erlangen können, die Situation gut meistern zu können. Unsere Vision ist es, dass jedes Kind mit Beeinträchtigungen die Hilfe erhält, die es benötigt, um sich körperlich und geistig so gut es geht entwickeln zu können. Unsere Vision ist es, dass Familien die ihnen zustehenden Ansprüche ohne Kampf bekommen und der ewige Kampf mit Behörden ein Ende hat oder die Familien ihn zumindest nicht mehr alleine ausfechten müssen. Unsere Vision ist eine „wunderbunte Gesellschaft„, an der auch beeinträchtige Kinder und ihre Familien ganz normal teilhaben und gesehen werden.

  • Wem genau möchten wir mit unserem Projekt helfen?

    Unsere Kernzielgruppe sind Familien mit beeinträchtigten und/oder entwicklungsverzögerten Kindern. Unser Angebot richtet sich an Familien mit Kindern überwiegend in den ersten Lebensjahren und ist sozusagen als Starthilfe zu verstehen, um dem behinderten Kind die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu ermöglichen und die belastende Familiensituation durch Vernetzung und Austausch zu verbessern. Der Begriff Familie ist hier bewusst weit definiert und meint neben der klassischen Familienkonstellationen (Mutter-Vater-(Geschwister)kind) auch immer Familien mit nur einem erziehenden Elternteil, erziehenden und pflegenden Großeltern, Geschwistern oder Pflegeeltern. Kernzielgruppe sind insofern alle Angehörigen, die mit dem beeinträchtigten Kind interagieren und Beratung und/oder Austausch suchen. Zudem sind beeinträchtigte, kleine Kinder die Zielgruppe, die in ihrer Entwicklung direkt von den Angeboten profitieren.

  • Was soll sich im Leben der Menschen ändern, für die wir uns engagieren?

    Wir wollen die gesellschaftliche Isolation von Familien mit beeinträchtigten Kindern aufbrechen, die Familien sollen sich trauen, sichtbar in der Mitte der Gesellschaft und nicht an ihrem Rand zu leben. Familien sollen sich trauen, in ihrem sozialen Umfeld selbstbewusst im Umgang mit der besonderen Situation aufzutreten, weil sie nicht mehr ohnmächtig vor dem Problem stehen. Sie haben eine eigene Handlungskompetenz erworben, weil sie wissen, wie sie mit der Situation umgehen und wo und wie sie Hilfe bekommen (Empowerment). Diese ideelle und materielle Hilfe trägt insgesamt zu einer besseren Entwicklung des Kindes und zu einer Entspannung der Familiensituation bei. Wenn ich z.B. weiß, welche Leistungen der Pflegeversicherung ich beantragen und dass ich Hilfe bei der Durchsetzung bekommen kann, entspannt sich u.U. die finanzielle Situation der Familie und ich kann den Alltag mit Hilfsmitteln u.U. so gestalten, dass die eigene Gesundheit nicht auch noch unter der Situation leidet. Wenn Eltern sich vernetzen, können Tipps ausgetauscht werden. Oft sind die Erfahrungen anderer Eltern bei gleichen Problemen der beste Lösungsansatz. Betroffene Eltern können bei der Therapeutensuche helfen, denn eine passende Therapie kommt direkt der Entwicklung der Kinder zu Gute. Die Familien sollen ihr Familienleben mit Hilfe einer guten Hilfsmittelversorgung, guter ärztlicher und therapeutischer Versorgung sowie adäquater Pflegeeinstufung so entspannt wie möglich gestalten können. Die Vernetzung mit anderen Familien in gleicher Situation soll helfen, die Familiensituation nicht mehr alleine als Schicksal, sondern als Chance zu verstehen und durch mutmachende, positive Beispiele anderer Betroffener einen eigenen Weg mit dieser Situation zu finden.

  • In welchem Maße verspricht unser Projekt für die Kernzielgruppe eine nachhaltige und langfristige Hilfe?

    Adäquate ideelle und materielle Hilfen tragen zu einer Entspannung des Familienlebens bei. Wenn das Familienleben entspannt ist, wird es allen Familienmitgliedern eher gerecht. Wer weiß, wo welche materiellen Hilfen, z.B. für Babysitterdienste zu finden sind, kann Auszeiten planen und z.B. an der Paarbeziehung arbeiten. Das Risiko einer Trennung, weil ein behindertes Kind in der Familie lebt, wird geringer, je mehr Hilfen und Vernetzungsmöglichkeiten man bekommt. Vernetzte und aufgeklärte Familien sind selbstbewusster und können sich für sich und andere Menschen und/oder Themen (z.B. Inklusion) einsetzen, was einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zu Gute kommt. Bei guter Versorgung des behinderten Kindes kann das pflegende Elternteil, meistens sind es die Mütter, wieder eine Arbeit aufnehmen und der nicht bezahlten und selten gewürdigten Carearbeit entkommen und für die eigene Altersvorsorge sorgen. Eine selbstbewusste und aufgeklärte Frau hat eher Mut, alte Strukturen aufzubrechen und sich für eine gerechte Verteilung der Carearbeit einzusetzen.